Toskana Leseprobe

Julia K. Rodeit

Liebesromane zum Davonträumen ...

Leseprobe


Kapitel  1


 

Die Musik verstummte. Das Licht ging aus und hüllte sie in Dunkelheit. Einen Moment war es still, ehe Applaus und Jubel über sie hereinbrausten wie ein Orkan.

Franzi schloss die Augen und genoss alles: Die Begeisterung, die ihr aus der Menge entgegenschlug, die Dunkelheit und die Glücksgefühle, die ihren Körper fluteten. Sie hatte ein grandioses Konzert abgeliefert. Das Publikum hatte ihr gehört, sobald sie auf die Bühne getreten war und die ersten Töne von »Love my life« gesungen hatte. Dem Lied, das ihr zum Durchbruch verholfen hatte. Die Menschen hatten sie durch das Konzert getragen, hatten mitgesungen und sie mit Applaus überschüttet. Zeitweise hatte sie das Gefühl gehabt, dem größten Chor der Welt gegenüberzustehen, so vielstimmig schlug ihr aus tausenden von Kehlen der Refrain ihrer Lieder entgegen. Es war wie im Rausch gewesen.

Einen Augenblick war sie ganz für sich allein. Dann ging das Licht wieder an und die Helligkeit katapultierte sie zurück in die Wirklichkeit. Sie sah die Hände, die sich ihr entgegenstreckten, hörte die Rufe, die, von einem rhythmischen Klatschen begleitet, eine Zugabe verlangten.

Sie winkte, strahlte in die Menge und ging seitlich von der Bühne. Die Stimmen der Menschen dahinter, ihrer Crew,  ihres Managers, drangen wie durch einen Nebel zu ihr durch.

»Du warst fantastisch«, rief Niko erfreut und drückte sie.

»Sie lieben dich!« Nadja, die Visagistin, überschlug sich beinahe vor Begeisterung.

Ein Techniker klopfte ihr anerkennend auf die Schulter und überprüfte das Mikrofon für die Zugabe.

»Du musst noch einmal raus.« Niko schob sie wieder in Richtung der Bühne.

Franzi nickte erschöpft und nahm automatisch das zweite Mikrofon entgegen, das man ihr reichte.

Die Endorphine verschwanden schneller aus ihrem Körper als früher. Plötzlich fühlte sie sich müde und wollte nur noch schlafen.

Drei Songs noch, ermutigte sie sich selbst. Das Publikum hat es verdient. Von draußen schallten noch immer Rufe nach einer Zugabe hinter die Bühne.

Sie knipste das Lächeln wieder an, von dem sie wusste, dass man sie dafür liebte, und trat erneut hinaus. Ihr »Geht es euch gut? Könnt ihr noch?« ging im Jubel der Massen unter.

Sie sang sogar noch vier Lieder, bevor sie das Mikrofon endgültig weglegte. Ein bisschen war es wieder wie früher, dachte sie mit einem Anflug von Traurigkeit, als ihr das Singen vor Publikum noch die Welt bedeutet hatte.

Vom Veranstalter bekam sie einen riesigen Blumenstrauß überreicht und wurde anschließend zusammen mit dem ganzen Team zur Party eingeladen. Lieber wäre sie in ihr Bett gegangen und hätte bis zum nächsten Mittag ohne Unter­brechung geschlafen.

Doch sie lächelte, lehnte die Cocktails ab und bat statt­dessen um ein Glas Wasser. Zwei Stunden später entschied sie, dass sie nun gehen konnte, ohne jemanden zu brüskieren. Auch wenn sie die Erste war, die die Feier verließ, die ihr zu Ehren gegeben wurde.

Der Taxifahrer fuhr sie quer durch die Stadt und setzte sie vor ihrem Hotel ab. Mittlerweile hatte sie den Überblick verloren. Alle sahen auf eine bestimmte Weise gleich aus und wenn sie am nächsten Tag aufwachte, hatte sie mitunter Schwierigkeiten, sich zu erinnern, in welcher Stadt sie war.

Der Applaus rauschte noch in ihren Ohren, als sie in ihr Zimmer ging, sich der Kleidung entledigte und erschöpft ins Bad schlich. Selbst, als sie im Bett lag und Stille sich über sie senkte, meinte sie, ihn noch zu hören.

Trotz der bleiernen Müdigkeit hinderte sie die Erinnerung an den heutigen Abend am Einschlafen. Erst Stunden später fiel sie in einen unruhigen Schlaf.