Summer Love 1 Leseprobe

Julia K. Rodeit

Liebesromane zum Davonträumen ...

Leseprobe


  Kapitel  1


 

»Helena, pack deine Sachen, du darfst das Regenwetter gegen Sonne, Palmen und Strand eintauschen. Du fliegst heute Mittag nach Mallorca.«

Helena Sander traute ihren Ohren nicht. Sie stand im Büro ihres Chefs Frank, und der erzählte ihr gerade, dass sie in den Urlaub fliegen sollte? Heute noch?

»Das ist natürlich kein Urlaub«, fügte Frank hinzu und zerstörte die kurz aufkommende Illusion von Strand, Sonne und Palmen nicht nur mit seinen Worten, sondern auch mit einem strengen Blick über den Rand seiner Brille hinweg. Er war der Meinung, dass er damit intellektuell aussah. Helena fand es einfach nur bescheuert, aber das sagte sie ihm natürlich nicht. Gute Jobs waren schwer zu finden.

Jetzt verstand sie aber überhaupt nichts mehr und irgendwie fehlten ihr auch die Worte, um die Fragen zu formulieren, die in ihrem Kopf herumtobten.

»Sandro ist heute Morgen mit einer akuten Blinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden und wurde schon operiert«, fuhr Frank fort und seufzte. Er ließ gern heraushängen, dass er sie nicht für die hellste Kerze auf dem Kuchen hielt. Trotz ihres Studiums, das sie mit Spitzennoten abgeschlossen hatte. Ob das mit ihrer Haarfarbe zusammenhing, wusste Helena nicht. Gönnerhaft gestand er ihr jedoch zu, dass sie über andere Qualitäten verfügte und ließ seinen Blick dabei anerkennend über ihre Rundungen gleiten. Glücklicherweise war es dabei geblieben, sonst hätte Helena ihm schon gezeigt, wo der Hammer hängt.

Frank war ein Macho, der sich gern mit schönen Frauen umgab, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Was die Arbeit anbelangte, so fand er sie im Büro unverzichtbar. Für harte Recherchen hatte er jedoch ein Team von Männern, die sich durchzusetzen wussten. Als wenn Frauen das nicht könnten. Pah!

»Sandro sollte heute Mittag nach Mallorca fliegen«, erklärte er in nachsichtigem Tonfall. »In Can Picafort hat ein neues Hotel eröffnet. Der Besitzer ist ein Deutscher und damit auf meiner Liste für das Urlaubsmagazin. Unglücklicherweise steht das Layout schon, weil wir uns diesmal auf Mallorca eingeschossen haben.«

Frank angesagtes Lifestyle-Magazin, das Planet Z, brachte auch immer wieder themenbezogene Sonderbeilagen heraus. Seiner Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt und er schlachtete alles aus, von dem er dachte, dass es sich verkaufen ließ. Das hatte zur Folge, dass er hohe Leserzahlen verzeichnete, und eine Erwähnung in einer Beilage schon beinahe einem Ritterschlag glich – wenn man eine positive Nennung bekam. Wenn nicht, hatte sein vernichtendes Urteil auch schon für manchen Untergang gesorgt. Aber gerade diese Kompromisslosigkeit war der Schlüssel zum Erfolg und damit für sein Überleben. Und ihres. Denn Jobs bei guten Magazinen waren schwierig zu ergattern. Assistentin in Franks Machobüro zu sein, war allemal besser, als auf der Straße zu stehen. Sie war fest davon überzeugt, dass sie nur geduldig auf eine Chance warten musste. Und die bot sich ihr gerade auf dem Silbertablett.

Helena nickte und versuchte, sich ihre Aufregung nicht allzu sehr anmerken zu lassen.

»Unglücklicherweise habe ich für die Gala am Wochenende zugesagt«, fuhr Frank fort.

Die Gala war eine prestigeträchtige Veranstaltung und Frank ließ es sich niemals nehmen, dort aufzutauchen. Allenfalls ein Krankenhausaufenthalt oder ein Urlaub am Nordpol hätten ihn davon abhalten können, hinzugehen. Die Sternchendichte war hoch und die nächste Sonderbeilage stand schon fest. Vom Chefredakteur persönlich recherchiert und betreut.

»Du knöpfst dir deshalb das Hotel vor«, bestimmte ihr Boss, hörte sich dabei aber nicht glücklich an. »Und prüfst es auf Herz und Nieren.«

In Helenas Kopf rotierten die Gedanken. Nur so viel sickerte durch: Das war die einmalige Chance, auf die sie gewartet hatte. Sie würde sie nutzen. Und wie! Wenn es ihr gelang, ihren Chef davon zu überzeugen, dass sie außer ihrem Aussehen auch über andere Qualitäten verfügte und nicht nur als Assistentin zum Kaffeekochen taugte, stand ihr eine große Karriere bevor. In Gedanken sah sie sich schon über den Großen Teich fliegen und Casinos in Las Vegas testen.

»Ich werde alles geben!«, versprach Helena eilig.

»Übertreibe es nicht. Lieber eine solide Überprüfung. Dann ist es diesmal eben nichts Spektakuläres. Hauptsache, niemand merkt, wer du bist. Das musst du unbedingt vermeiden, sonst spielen sie uns eine Show vor und wir bekommen kein unverfälschtes Bild.«

Solide sollte sie sein. Pah! Sie wusste schon, dass Sandro in der Vergangenheit für aufsehenerregende Berichte gesorgt hatte. Die Messlatte lag hoch, aber warum sollte sie ihn nicht übertrumpfen? Fest stand, dass sie Frank nicht enttäuschen würde.

»Fahr heim und pack deinen Koffer«, wies Frank sie an und warf einen Blick auf seine goldene Uhr. »Das wird sowieso schon denkbar knapp.« An seiner Miene war deutlich abzulesen, dass er sich nicht viel davon erhoffte und froh zu sein schien, wenn sie es schaffte, pünktlich am Flughafen zu sein.

Helena ließ sich davon nicht beeindrucken. Frank hatte ihr gerade eine grandiose Möglichkeit geboten. Und die würde sie nutzen. Deswegen war ihr egal, was er von ihr dachte und ob er glaubte, dass die Mission ein Erfolg würde oder nicht. Mit Sandros Krankheit hatte er keine andere Wahl, weil die Sonderbeilage ins nächste Magazin sollte. Und einen alten Artikel auszugraben, verbot ihm sein Ehrgeiz.